Der Eurovision Song Contest ist ohne die traditionellen Punkteschiebereien und Nachbarschaftshilfe kaum vorstellbar. Doch nach dem großen Finale 2026 in der Wiener Stadthalle brennt in Moldau der Baum. Der Grund: Die moldauische Fachjury geizte beim großen Nachbarn Rumänien massiv mit den Punkten. Nach einer regelrechten Welle der Empörung in den sozialen Netzwerken sah sich der öffentlich-rechtliche Sender Teleradio Moldova nun sogar zu einer offiziellen Stellungnahme gezwungen.
Nur 3 Punkte für den Nachbarn: Der Shitstorm rollt
Zwischen Moldau und Rumänien wandern die berühmeten 12 Punkte normalerweise fast schon blind hin und her. Doch in diesem Jahr kam alles anders. Die moldauische Expertenjury vergab magere 3 Punkte an den rumänischen Beitrag „Choke Me“ von Alexandra Căpitănescu. Die Fans im Netz schäumten vor Wut, da allgemein fest mit der Höchstwertung für das Nachbarland gerechnet worden war.
TRM reagierte prompt auf die scharfe Kritik und stellte in einem offiziellen Statement klar, dass der Sender keinerlei Einfluss auf die Entscheidung genommen habe. Die Jury habe vollkommen unabhängig agiert. Um die Transparenz des Verfahrens zu sichern, sei sogar ein Notar anwesend gewesen, der die Stimmabgabe streng überwacht habe. TRM betonte ausdrücklich, dass das Endergebnis in keiner Weise die Haltung oder Position der Sendeanstalt widerspiegle. Man distanziert sich hier also spürbar von den eigenen Experten. Das ist ein bemerkenswerter und fast schon bizarrer Schritt, der zeigt, wie tief der Stachel der Enttäuschung in der Fan-Community sitzt.
Der Blick auf die Zahlen: So stimmten die Juroren
Die von der EBU veröffentlichten Stimmzettel zeigen ein extrem zerfahrenes Bild. Die einzelnen Juroren setzten Rumäniens Hit „Choke Me“ auf die Plätze 4, 9, 12, 16, 15, 3, 7 und 8. In der Gesamtabrechnung reichte dieses uneinheitliche Zeugnis eben nur für die besagten 3 Pünktchen.
Die begehrten 12 Punkte der moldauischen Jury gingen stattdessen an Polen. Hier herrschte deutlich mehr Einigkeit: Vier Juroren sahen Polen auf Platz eins, einer auf Platz zwei, zwei auf dem dritten Rang und einer auf Platz sieben.
Die viel kritisierte Jury bestand in diesem Jahr aus folgenden acht Mitgliedern:
- Andrei Zapșa: Dirigent und stellvertretender Generaldirektor für Fernsehen bei TRM.
- Corina Caireac: Expertin für audiovisuelle Produktion und Künstlermanagement, die schon 2005 und 2022 zum Team der legendären Band Zdob și Zdub gehörte.
- Catalina Solomac: Sängerin, die dreimal beim moldauischen Vorentscheid antrat und 2026 mit „Pink Margarita“ den dritten Platz belegte.
- Pavel Orlov: Performer, Bandsänger und Musikproduzent, der im nationalen Vorentscheid 2026 auf Platz zwei landete.
- Stanislav Goncear: Musiker aus den Bereichen Pop-Jazz, Soul und R&B.
- Victoria Cușnir: Journalistin bei Radio Chișinău und erfahrene ESC-Jurorin der Jahre 2018, 2022 und 2024.
- Ilona Stepan: Künstlerische Leiterin und Chefdirigentin des akademischen Chors „Doina“.
Satoshi holt Top-10-Platzierung für Moldau
Abseits des Jury-Dramas gab es sportlich gesehen eigentlich nur Grund zur Freude für die moldauische Delegation. Das Land wurde in Wien von Satoshi mit der energiegeladenen Hymne „Viva, Moldova!“ vertreten.
Satoshi lieferte eine bärenstarke Performance ab und sicherte sich im großen Finale einen hervorragenden achten Platz in den Top 10. Dass das Publikum die Nachbarschaftsliebe im Gegensatz zur Jury nicht vergessen hat, zeigte sich beim Televoting überdeutlich. Die Zuschauer aus Italien, Rumänien und der Ukraine feierten „Viva, Moldova!“ frenetisch und ließen jeweils die vollen 12 Punkte für Satoshi springen.
Was haltet ihr von dem Jury-Zoff?
Könnt ihr den Ärger der moldauischen Fans nachvollziehen oder findet ihr es richtig, dass die Jury unabhängig von Landesgrenzen nach eigenem Geschmack abgestimmt hat? Diskutiert mit uns und schreibt eure Meinung unten in die Kommentare!









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